Showdown in Frankfurt und Dresden

Am 12. Oktober wird in der Frankfurter Commerzbank-Arena über die 41. Deutsche Meisterschaft im American Football entschieden werden. Diese Woche wirft German Bowl XLI überdeutlich seine ersten Schatten voraus. Denn nicht nur kommt der amtierende Meister aus Schwäbisch Hall nach Frankfurt, um dort beim aktuelle Vizemeister Universe den Grundstein dafür zu legen, dass es nicht seine letzte Reise nach Frankfurt in dieser Saison sein wird. Auch im Norden kommt es zu dem Duell der beiden Teams, die in den letzten Jahren fast immer um Platz eins und zwei in der Gruppe spielten und diese Saison ebenfalls noch nicht verloren haben: Die Dresden Monarchs spielen zeitgleich mit dem Frankfurter Duell am 1. Juni ab 18 Uhr im Rudolf-Harbig-Stadion bei ihrem jährlichen Sparkassen-Gameday im größten Dresdner Stadion gegen Rekordmeister New Yorker Lions aus Braunschweig.

Neben einem Sieg haben die Dresdner sich dabei auch vorgenommen, einen neuen Zuschauerrekord für ihre Heimspiele zu markieren. 8.360 Zuschauer aus dem Jahr 2002 will man 2019 nun endlich übertreffen. Auch in Frankfurt rüstet man natürlich für eine größere Kulisse, denn so eine wirklich richtige „Reise“ ist es für die Haller und ihre Fans ja nicht, die rund 130 Kilometer in die Mainmetropole zu überbrücken. Da wird sich also einiges aus Richtung Schwäbisch Hall in Bewegung setzen, und in der PSD Bank Arena sollte es mächtig laut werden.

Dies kann im American Football gerade in engen Spielen zwischen Teams auf Augenhöhe Einfluss auf den Ausgang nehmen. Beide Kontrahenten bieten eine starke Defense auf, wenn diese durch eigene stimmgewaltige Fans verstärkt und die Komunnikation des Gegners gestört wird, bekommen auch die stärksten Angreifer ihre Probleme. Nach den bisherigen Saisonspielen ist der Angriff der Schwäbisch Haller bislang über jeden Zweifel erhaben, in den letzten Spielen hatte man handstreichartig mit wahren Punktefluten in den ersten Halbzeiten die Gegner bezwungen. Quarterback Jadrian Clark im Zusammenspiel mit den beiden US-Receivern Tyler Rutenbeck und Nate Robitaille sind auch in Frankfurt Kabinettstückchen zuzutrauen.

Aber die Defense der Frankfurter ist definitiv aus anderem Holz geschnitzt als deren bisherige Widersacher. „Beim Football hängt alles vom direkten Aufeinandertreffen auf dem Spielfeld ab. Die Analyse, wie wer gegen wen gespielt hat, taugt nicht für die Prognose eines anstehenden Spiels“, weiß der Haller Cheftrainer Jordan Neuman. Und: „Frankfurt hat sich durch internationale Spieler und zuletzt in der Offensive Line durch den Amerikaner Andrew Ness verbessert. Außerdem haben sie ihre ohnehin schon gute Linebacker-Gruppe weiter verstärkt.“

Sieben Mal haben die Frankfurter seit ihrem Aufstieg vor drei Jahren versucht, die Schwäbisch Hall Unicorns zu bezwingen. Sieben Mal sind sie gescheitert, meist aber nur knapp, zuletzt im German Bowl XL im Oktober, als sie schon mit zwei Touchdowns führten, am Ende den Titel aber durch ein in der Schlusssekunde verschossenes Field Goal verspielten. Noch eines könnte sie an diesem Samstag zusätzlich motivieren: Für den Rivalen steht eine historisch einmalige Marke im deutschen Mannschaftssport auf dem Spiel: Mit einem Erfolg in Frankfurt würden die Footballer der TSG Schwäbisch Hall ihren 40. Sieg in Serie feiern und damit den Rekord der Bundesliga-Handballer des THW Kiel aus den Jahren 2011 und 2012 einstellen. Frankfurt Universe ist in der PSD Bank Arena die letzte Bastion, die den Unicorns diesen Rekord noch nehmen kann.

Wie in Frankfurt treffen auch in Dresden die beiden Mannschaften aufeinander, die bislang mit Abstand am wenigsten Punkte in ihrer Gruppe kassiert haben. Und doch werden bei Dresden Monarchs und New Yorker Lions vor allem die Quarterbacks im Blickpunkt stehen. Sowohl Brandon Connette (Braunschweig) als auch Zack Greenlee (Dresden) haben einst College Football bei den Fresno State Bulldogs gespielt. 2014 kurz sogar gemeinsam, ehe der ältere Connette zuerst nach Europa ging. In Dresden spielte er 2016 eine überragende Saison mit 68 Touchdown-Pässen und nur sieben Interceptions in 16 Spielen, machte die Sachsen in jener Saison zum offensiv klar stärksten GFL-Team. Dieses Jahr soll er nun auf ähnliche Weise Braunschweig zurück in den German Bowl führen.

Die Monarchs haben unterdessen mit der Verpflichtung Greenlees wieder einmal ihr gutes Auge für US-Importe vor allem im Angriffsbereich unter Beweis gestellt. Mit 359 Yards Raumgewinn pro Spiel und bislang neun Touchdown-Würfen bei den drei klaren Siegen der Dresdner in diesem Jahr steht Greenlee an der Spitze der GFL-Statistiken. Nun aber kommt es für ihn nicht nur zu einem Wiedersehen mit dem Ex-Teamkameraden von Fresno State, sondern auch zum Härtetest gegen die Braunschweiger Verteidigung, die gemeinsam mit der Unicorns-Defense in der GFL derzeit das statistische Maß der Dinge ist. Die Chancen der Dresdner könnten dennoch gut sein, denn die Monarchs haben keinerlei Verletzungssorgen, und ihr Cheftrainer Ulrich „Utz“ Däuber glaubt, dass dieses Jahr die Nervenstärke seiner Spieler größer als in den vergangenen Jahren ist. Man müsse nur aufpassen, bis ins vierte Viertel hinein am Gegner dran bleiben zu können, die ärgerlichen Ballverluste wie zuletzt in Köln vermeiden – dann glaubt er, werde sein Team auch das letzte Wort im Spitzenspiel haben.

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